Archiv der Kategorie 'Jour fixe'

26.07.2018 – Jour fixe: Das Wirtschaftssystem der Sowjetunion

Wenn man sich Gedanken über eine Alternative zur kapitalistischen Wirtschaft macht, ist es hilfreich, sich auch mit vergangenen Versuchen auseinanderzusetzen, eine andere Gesellschaft aufzubauen – um aus ihren Fehlern und Mängeln zu lernen. Wenn man darüber hinaus Sympathien für den Sozialismus hegt, ist eine Auseinandersetzung mit der Sowjetunion unumgänglich. Aus diesem Grund wollen wir das sowjetische Wirtschaftssystem zum Thema unseres nächsten Jour fixe machen. Dazu wird es einen Input-Vortrag geben, der in groben Zügen darstellen wird, wie die Wirtschaft in der Sowjetunion funktioniert hat und was daran nicht funktioniert hat. Anschließend wird es Zeit für Diskussionen und Nachfragen zum Vortrag oder zur sowjetischen Geschichte im Allgemeinen geben.

Der Jour fixe der Kritischen Uni Tübingen ist ein offenes Treffen, bei dem wir uns gegenseitig verschiedene Themen vorstellen und anschließend darüber diskutieren. Dazu treffen wir uns alle zwei Wochen in den Räumen des Infoladens in der Schellingstrasse 6. Ihr seid alle herzlich eingeladen, mitzudiskutieren oder eigene Themen vorzustellen.

Termin: Donnerstag 26.07.18, 16 Uhr
Ort: Infoladen, Schellingstrasse 6

17.05.18 – Jour fixe: Cultural appropriation

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Cu… Ach egal! Bei unserem nächsten Jour Fixe wollen wir uns mit dem Thema Cultural Appropriation beschäftigen. Dabei wird es um folgende Fragen gehen:

Was ist unter Cultural Appropriation zu verstehen?

Welche Probleme haben Leute mit Cultural Appropriation?

Was kann daraus folgen, diese Probleme festzustellen?

Was ist in der Gesellschaft passiert, dass das Thema so interessant wurde?

Der Jour fixe der Kritischen Uni Tübingen ist ein offenes Treffen, bei dem regelmäßig verschiedene Themen vorgestellt und anschließend diskutiert werden. Dazu treffen wir uns alle zwei Wochen in den Räumen des Infoladens in der Schellingstrasse 6. Ihr seid alle herzlich eingeladen, mitzudiskutieren oder eigene Themen vorzustellen.

Termin: Donnerstag 17.05.18, 18 Uhr
Ort: Infoladen, Schellingstrasse 6

26.04.2018 – Jour fixe: Pläne machen

Alexander Herzen schrieb Mitte des 19. Jahrhunderts zu dem Umstand, dass in der sozialistischen Bewegung wenig Wert darauf gelegt wurde, konkrete Ideen dazu zu erarbeiten, wie eine zukünftige Gesellschaft nach dem Kapitalismus funktionieren soll: „Statt dessen begnügte man sich mit einer Fahne, einem Briefkopf, einem Gemeinplatz… Recht auf Arbeit… Aufhebung des Proletariats… Republik und Ordnung… Brüderlichkeit und Solidarität aller Völker… Und wie soll man das alles organisieren, verwirklichen? Das – kommt alles später. Wenn man erst einmal an der Macht ist, wird das übrige durch Dekrete, durch Plebiszite erledigt.“

Daran hat sich im Wesentlichen nur wenig geändert. Bei unserem Jour fixe wollen wir uns mit der Frage befassen, wozu sozialistischen Utopien und Zukunftspläne gut sind.

Dazu wird es zuerst einen kurzen Vortrag über die Geschichte der Auseinandersetzungen mit Zukunftsentwürfen und Utopien in der sozialistischen Bewegung geben. Der Vortrag wird die Kritik von Marx und Engels an den sogenannten „utopischen Sozialisten“, die Debatten in der deutschen Sozialdemokratie und der Sowjetunion sowie Adornos Kritik und gleichzeitig Befürwortung der Utopie darstellen.
Im zweiten Teil werden wir diskutieren, ob man sich als Kritiker*in des Kapitalismus mit konkreten Entwürfen einer zukünftigen sozialistischen Gesellschaft befassen sollte oder nicht. Dazu haben wir verschiedene Argumente für beide Positionen vorbereitet, die wir zusammen durchgehen werden.

Der Jour fixe der Kritischen Uni Tübingen ist ein offenes Treffen, bei dem regelmäßig verschiedene Themen vorgestellt und anschließend diskutiert werden. Dazu treffen wir uns alle zwei Wochen in den Räumen des Infoladens in der Schellingstrasse 6. Ihr seid alle herzlich eingeladen, mitzudiskutieren oder eigene Themen vorzustellen.

Termin: Donnerstag 26.04.18, 18 Uhr
Ort: Infoladen, Schellingstrasse 6

31.01.2018 – Jour fixe: Materialismus und Moral

Materialismus und Moral oder lässt sich aus dem Sein auf ein Sollen ableiten?

Seit David Hume gehört es zum philosophischen Gemeingut, dass aus dem Sein kein Sollen folgt, dass also nur weil etwas ist, es nicht zugleich gut ist. Damit ist die Trennung von normativer und deskriptiver Theorie eingeleitet, wonach Moralphilosophie die Frage danach, wie ich handeln soll aus Prinzipien zu beantworten versucht und die Wirklichkeit nur als Beispiel herbeizitiert. Hegel hatte dies bereits gegen Kant, dessen kategorischer Imperativ dieses Verständnis von Moral zur Perfektion gebracht hat, kritisiert: Das Postulat eines reinen Sollens, so Hegel, müsse dazu führen, dass man schlechterdings gar nicht mehr Handeln kann und somit das was Moralphilosophie zu beanspruchen versucht – eine Orientierung des Handelns zu bieten – verfehlt wäre. Während Hegels Kritik für konservative Vereinnahmung offen steht, formuliert eine materialistische Theorie im Anschluss an Marx und Engels eine anders gelagerte Kritik der Trennung von normativer und deskriptiver Theorie: Wenn das gesellschaftliche Sein, das Bewusstsein bestimmt, dann sind auch die normativen Grundsätze und selbst noch das formale Prinzip des kategorischen Imperativs Resultat der vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse und damit das Normative und das Deskriptive nicht voneinander zu trennen. Entsprechend gehen Marx und Engels gegen jene sozialistischen Strömungen hart ins Gericht, die aufgrund normativer Erwägungen und die Berufung auf Menschenrechte soziale und politische Forderungen aufstellen. Ein Widerhall dieser Debatten findet sich im 20. Jahrhundert etwa in den Auseinandersetzungen zwischen Sartre und Althusser oder Foucault und Chomsky und auch die frühe „Frankfurter Schule“ rang damit, wie das Verhältnis von Materialismus und Moral (Horkheimer) zu bestimmen sei. Heute scheinen diese Erwägungen und Debatten keine Rolle mehr zu spielen: Axel Honneth als Vertreter der „dritten Generation“ der Kritischen Theorie schreibt über die Idee des Sozialismus, Gesellschaftstheorie scheint dabei durch Gerechtigkeitstheorie ersetzt worden zu sein. Zugleich berufen sich strömungsübergreifend Linke positiv und uneingeschränkt auf Menschenrechte, dabei fällt die öffentlich geführte Debatte über ein Recht auf Migration zumeist hinter die Einsicht der Punkband „Die Goldenen Zitronen“ zurück, die bereits vor 12 Jahren feststellten: „Über euer scheiß Mittelmeer käm ich, wenn ich ein Turnschuh wär. Oder als Flachbild-Scheiß – ich hätte wenigstens ein‘ Preis“. Ähnlich hilflos wird gegenwärtig ein Streit um Meinungsfreiheit an Universitäten geführt, bei der politische Positionen zugunsten moralisierender Argumente unsichtbar gemacht werden. Vor diesem Hintergrund möchte ich gerne mit euch über das Verhältnis von kritischer Theorie und Moral diskutieren.

20.12.17 – Jour fixe: (Wie) können Männer Feministen sein?

Plädoyer für eine Kritik der Männlichkeit als Grundlage des Feminismus von Männern

Es ist selbstverständlich gut, dass immer mehr über feministische Themen gesprochen wird und auch viele Männer beginnen, sich für diese Themen zu interessieren. Doch wohl zu Recht weisen einige Feministinnen darauf hin, dass Männer in einem schwierigen Verhältnis zum Feminismus stehen. Männlichkeit ist ja zunächst erstmal der Grund, warum Feminismus überhaupt notwendig ist. Sie steht dem feministischen Anliegen also entgegen, doch liegt in ihr auch die Möglichkeit, den Feminismus überflüssig zu machen. Feministische Männer erscheinen insofern vielversprechend. Andererseits kann Emanzipation der Frau nicht bedeuten, auf die bessere Einsicht von Männern zu warten, sondern ist nur dann ernst, wenn die Frauen sich ohne Rücksicht auf Männer nehmen, was sie brauchen. Die Krux der Männlichkeit besteht eben darin, dass sie sich nicht von selbst auflöst, sondern im Gegenteil dazu tendiert, sich zu erhalten. Als Mann dagegen anzukämpfen ist schwieriger, als es vielleicht auf den ersten Blick scheint.

Männlichkeit gelingt es sogar, die feministischen Anforderungen mit denen sie konfrontiert wird, dazu zu benutzen sich selbst zu reproduzieren. Männer, die immer souverän und kontrolliert wirken müssen, haben längst verstanden, dass diese Anforderungen eine Gelegenheit, ihre Souveränität unter Beweis zu stellen, darstellen. Der moderne Mann ist feministisch. Die populäre Aussage “Echte Männer sind Feministen” klingt nach einem politischen Erfolg der Feministinnen, doch übersehen wird, dass Männlichkeit das eigentliche Problem ist, und echte Männlichkeit überhaupt nicht erstrebenswert ist. Allzu schnell verstehen sich Männer als Feministen und bemerken währenddessen oft gar nicht, was erstmal von Nöten wäre: Das Eingeständnis davon, dass große Teile des Feminismus auf eine Wirklichkeit reagieren, die Männer nicht teilen. Anstatt einer selbstvergewissernden Solidaritätserklärung mit dem Feminismus sollte also erstmal die Bereitschaft vorhanden sein, darüber von Frauen aufgeklärt zu werden. Und natürlich eine Selbstreflexion der eigenen Männlichkeit.

Debatten über Feminismus drehen sich oft nur über die Frauen, was sie können und nicht können, sollen und nicht sollen etc., doch über fragile männliche Subjektkonstitution wird gar nicht so oft gesprochen. Doch gerade Männer sollten sich kritisch mit dieser beschäftigen.

Wir wollen über die Möglichkeit des Feminismus von Männern diskutieren. Ist zu vor eine sowohl theoretische als auch praktische Kritik der Männlichkeit von Nöten, und wie könnte dies stattfinden?

Unser Jour fixe ist eine Veranstaltung, zu der wir uns alle zwei Wochen an einem Mittwoch treffen, um Themen zu diskutieren, die uns gerade beschäftigen. Jede_r von euch ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, mitzudiskutieren oder euch von den anderen zu eigenen Gedanken, Überlegungen, Thesen, Fragen … anregen zu lassen.

22.11.17 – Jour fixe: Plurale Ökonomik und/oder das Elend der WiWi

Es ist eine weit verbreitete common sense Vorstellung, dass man Dinge oder Sachverhalte nur adäquat darstellen kann, wenn man verschiedene Perspektiven einnimmt oder unterschiedliche Ansätze wählt.
Dem gegenüber scheinen Positionen, die nur eine Herangehensweise wählen, das Etikett Dogma zu verdienen. Die Frage die sich stellt, ist also: Woraus beziehen beide Postitionen ihre Legitimation, bzw. wie ist zu entscheiden, auf welche Seite des Konfliktes man sich stellt.

Auch in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wird von allen Seiten „Methodenmix“, „Methodentriangulation“ uvm. eingefordert. In den Wirtschaftswissenschaften gibt es seit einigen Jahren die Initiative „Netzwerk Plurale Ökonomik“, die eine stärkere Pluralität in Forschung und Lehre der Wirtschaftswissenschaften einfordern und damit quer zum Mainstream der Wirtschaftswissenschaften stehen.

Am Beispiel des „Netzwerks Plurale Ökonomik“ wird im Vortrag versucht darzustellen, dass die Frage „Dogma oder Pluralismus“ sowohl in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften selbst, als auch in deren Kritik die falsche Frage ist. Mit dieser Einsicht wird versucht werden, die auf der falschen Frage beruhenden falschen Antworten zu kritisieren und damit dieses „Entweder Oder“ an sich selbst zu kritisieren.

Unser Jour fixe ist eine Veranstaltung, zu der wir uns alle zwei Wochen an einem Mittwoch treffen, um Themen zu diskutieren, die uns gerade beschäftigen. Jede_r von euch ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, mitzudiskutieren oder euch von den anderen zu eigenen Gedanken, Überlegungen, Thesen, Fragen … anregen zu lassen.

25.10.17 – Jour fixe: Wenn man über Rassismus redet

„Rassismus“ bezeichnet in der öffentlichen Rede heute nur noch selten eine Diskriminierung oder Unterdrückung unter Verweis auf biologische Unterschiede zwischen Menschen. Ähnlich wie „Nazi“ oder „faschistisch“ hat sich dieser Begriff so ausgeweitet, dass heute viel mehr Handlungen, Vorstellungen, Gedanken und gesellschaftliche Verhältnisse damit bezeichnet werden als die meiste Zeit des 20. Jahrhunderts hindurch. In der Regel ersetzt er heute einfach die Bezeichnung „Fremdenfeindlichkeit“.

Das ist keine neue Entwicklung. In wissenschaftlichen Debatten tauchen Begriffe wie „kultureller Rassismus“ oder „Rassismus ohne Rassen“ schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts auf. Allerdings fällt diese Veränderung an den Diskussionen über die AfD, Pegida, Trump, Rechtspopulismus usw. sehr stark auf. Wie es zu dieser Entwicklung kam, was davon zu halten ist, ob und welche Schwierigkeiten mit so einer Verwendung des Begriffs verbunden sind oder ob sie eine folgerichtige Anpassung an veränderte gesellschaftliche Bedingungen darstellt – das alles wollen wir zusammen beim nächsten Jour fixe der Kritischen Uni diskutieren.

###########################

Unser Jour fixe ist eine Veranstaltung, zu der wir uns alle zwei Wochen an einem Mittwoch treffen, um Themen zu diskutieren, die uns gerade beschäftigen. Jede_r von euch ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, mitzudiskutieren oder euch von den anderen zu eigenen Gedanken, Überlegungen, Thesen, Fragen … anregen zu lassen.

25.10.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6