Beiträge von kut

05.12.17 – Vortrag: Die Novemberrevolution 1918

Der erste Weltkrieg erschütterte Europa und die Welt. Vor dem Krieg galt die Sozialdemokratische Partei Deutschlands als die mächtigste sozialistische Partei der Welt. Durch ihre Bewilligung der Kriegskredite im August 1914 machte sie den Weg frei zum großen Krieg. Während an den Fronten die Massen starben, regte sich in den deutschen Städten zu Beginn nur wenig Widerstand. Als sich die Situation der Bevölkerung jedoch zunehmend verschlechterte und Karl Liebknecht im Juni 1916 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, begannen Massenstreiks, die bis zum Ende des Krieges nicht abließen. In Folge der Politisierung der Basis kam es zur Spaltung der SPD. In der USPD kristallisierte sich der sozialistische Widerstand gegen den Krieg, in den Gewerkschaften bildete sich das Netzwerk der „Revolutionären Obleute“ und organisierte Massenstreiks. Gemeinsam mit den meuternden Matrosen der Kieler Flotte setzte diese Koalition der Kriegsgegner ein Lauffeuer in Gang, das unter dem Namen „Novemberrevolution“ in die Geschichte eingegangen ist.

Der Historiker Ralf Hoffrogge wird Ursachen und Verlauf der Ereignisse rekapitulieren.

Dienstag 05.12.2017, 18 Uhr
Ort: Verfügungsgebäude, Wilhelmstrasse 19 72074 Tübingen, Hörsaal 0.02

22.11.17 – Jour fixe: Plurale Ökonomik und/oder das Elend der WiWi

Es ist eine weit verbreitete common sense Vorstellung, dass man Dinge oder Sachverhalte nur adäquat darstellen kann, wenn man verschiedene Perspektiven einnimmt oder unterschiedliche Ansätze wählt.
Dem gegenüber scheinen Positionen, die nur eine Herangehensweise wählen, das Etikett Dogma zu verdienen. Die Frage die sich stellt, ist also: Woraus beziehen beide Postitionen ihre Legitimation, bzw. wie ist zu entscheiden, auf welche Seite des Konfliktes man sich stellt.

Auch in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wird von allen Seiten „Methodenmix“, „Methodentriangulation“ uvm. eingefordert. In den Wirtschaftswissenschaften gibt es seit einigen Jahren die Initiative „Netzwerk Plurale Ökonomik“, die eine stärkere Pluralität in Forschung und Lehre der Wirtschaftswissenschaften einfordern und damit quer zum Mainstream der Wirtschaftswissenschaften stehen.

Am Beispiel des „Netzwerks Plurale Ökonomik“ wird im Vortrag versucht darzustellen, dass die Frage „Dogma oder Pluralismus“ sowohl in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften selbst, als auch in deren Kritik die falsche Frage ist. Mit dieser Einsicht wird versucht werden, die auf der falschen Frage beruhenden falschen Antworten zu kritisieren und damit dieses „Entweder Oder“ an sich selbst zu kritisieren.

Unser Jour fixe ist eine Veranstaltung, zu der wir uns alle zwei Wochen an einem Mittwoch treffen, um Themen zu diskutieren, die uns gerade beschäftigen. Jede_r von euch ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, mitzudiskutieren oder euch von den anderen zu eigenen Gedanken, Überlegungen, Thesen, Fragen … anregen zu lassen.

25.10.17 – Jour fixe: Wenn man über Rassismus redet

„Rassismus“ bezeichnet in der öffentlichen Rede heute nur noch selten eine Diskriminierung oder Unterdrückung unter Verweis auf biologische Unterschiede zwischen Menschen. Ähnlich wie „Nazi“ oder „faschistisch“ hat sich dieser Begriff so ausgeweitet, dass heute viel mehr Handlungen, Vorstellungen, Gedanken und gesellschaftliche Verhältnisse damit bezeichnet werden als die meiste Zeit des 20. Jahrhunderts hindurch. In der Regel ersetzt er heute einfach die Bezeichnung „Fremdenfeindlichkeit“.

Das ist keine neue Entwicklung. In wissenschaftlichen Debatten tauchen Begriffe wie „kultureller Rassismus“ oder „Rassismus ohne Rassen“ schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts auf. Allerdings fällt diese Veränderung an den Diskussionen über die AfD, Pegida, Trump, Rechtspopulismus usw. sehr stark auf. Wie es zu dieser Entwicklung kam, was davon zu halten ist, ob und welche Schwierigkeiten mit so einer Verwendung des Begriffs verbunden sind oder ob sie eine folgerichtige Anpassung an veränderte gesellschaftliche Bedingungen darstellt – das alles wollen wir zusammen beim nächsten Jour fixe der Kritischen Uni diskutieren.

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Unser Jour fixe ist eine Veranstaltung, zu der wir uns alle zwei Wochen an einem Mittwoch treffen, um Themen zu diskutieren, die uns gerade beschäftigen. Jede_r von euch ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, mitzudiskutieren oder euch von den anderen zu eigenen Gedanken, Überlegungen, Thesen, Fragen … anregen zu lassen.

25.10.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6

08.10.17, Vortrag: Der Antikapitalismus der Nazis

Der Antikapitalismus der Nazis
Reaktionär, antisemitisch – und manchen näher, als sie meinen

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 8. November 2017, Tübingen
Hegelbau, Raum 101, Wilhelmstr.36

Eine Veranstaltung des Jungen Forums der DIG und der Kritischen Uni Tübingen

Nazis haben was gegen den Kapitalismus. Anders als viele glauben wollen, war das schon immer mehr als Demagogie, sondern durchaus ernst gemeint. Zentral für ihren Antikapitalismus sind der positive Bezug auf „Volk“, „Nation“ und „Arbeit“, der eingebildete Gegensatz zwischen einem guten „schaffenden“ und einem schlechten „raffenden“ Kapital sowie die Affirmation des Kampfes „der ehrlich Arbeitenden gegen die Raffgierigen“. Eine national-sozialistische deutsche Arbeiter-Partei hatte dieses Programm schon einmal recht weitgehend verwirklicht: „Arbeit macht frei“ stand nicht zufällig über dem Tor von Auschwitz.

Heute verquicken nicht nur erklärte Nazis, sondern auch präfaschistische „Rechtspopulisten“ wieder gerne die Begriffe „national“ und „sozial“. Sie erhoffen sich dafür nicht ohne Grund Sympathien aus großen Teilen der Bevölkerung, die sich zwar soziale Verbesserungen wünschen, „aber nur für Deutsche“. Die verbreitete unreflektierte Wut auf „gierige Politiker“ und „Lügenpresse“ erweist sich zudem als fruchtbarer Nährboden für Nazi-Propaganda.

Leider begegnet einem ein oberflächlicher und personalisierender Antikapitalismus auch in der „Mitte der Gesellschaft“ und in der politischen Linken. Das macht den Antikapitalismus der Nazis auch heute wieder anschlussfähig und gefährlich. Die Verbreitung einer reflektierten Kapitalismuskritik, die sich grundlegend davon unterscheidet, ist gerade in Krisenzeiten dringend geboten. Denn man kann Nazis umso besser bekämpfen, je weniger Gemeinsamkeiten man mit ihnen hat.

Lothar Galow-Bergemann war Personalrat in zwei Großkliniken und schreibt u.a. in Jungle World, konkret und auf www.emafrie.de

Programm für das WS 17/18

Lesekreis: Dialektik der Aufklärung

Dienstags ab 18:00 im Theologicum: Seminarraum 1

Auch in diesem Semester bietet die Kritische Uni Tübingen mehrere Veranstaltungen an. Unter anderem diesen Lesekreis zu einem der wichtigsten und einflussreichsten Werke der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule: Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Wir wollen uns zuerst einen Überblick über die Grundlagen der Kritischen Theorie verschaffen, um anschließend direkt in die Lektüre der Dialektik der Aufklärung einzutauchen. Alle sind willkommen, es kann zu jedem Zeitpunkt dazu gestoßen werden.

Lesekreis: Einführung in die marxistische Rechtskritik

Donnerstags ab 18:00 in der Alten Physik, Hörsaal 16

Die Linke hat in ihrer Geschichte, wie in ihrer Gegenwart, häufig die Tendenz in ihren Bestrebungen Institutionen wie Staat, Recht oder Politik für ihre Zwecke unreflektiert in Anschlag zu bringen. Darin kann man einen Grund sehen, wieso sie notwendig daran scheitert, ihrer Ziele zu verwirklichen.
Von vielen Seiten wird am marx’schen Werk „bemängelt“, dass der eigentliche Plan, im Kapital eine eigene Staatskritik zu formulieren, nicht verwirklicht sei und deshalb die Aufforderung formuliert wird, sie noch zu leisten. Dabei weist der Untertitel des Kapitals „Kritik der politischen Ökonomie“ auf die Einheit von Kapital- und Staatskritik hin. Eugen Paschukanis Versuch dies an den juristischen Grundbegriffen darzustellen, ist neben einigen Versuchen in den 20er und 30er Jahren aus dem Marx-Engels Institut in Moskau ein früher Versuch einer nicht staatssozialistisch instrumentalisierten Kritik der Gesellschaft in marx’schen Begriffen.
Deshalb wollen wir uns im Lesekreis einen Einblick in die Thematik der marxistischen Rechtskritik verschaffen und dazu die Lektüre Paschukanis‘ ersten Werks heranziehen. Wir freuen uns auf einen Austausch mit allen.

16.08.17, Jour Fix: „Insurrektionalismus – Die Praxis unter den Theorien“

Als im Juli diesen Jahres im Hamburger Schanzenviertel Autos brannten und Geschäfte geplündert wurden, war der mediale Angstschrei groß. Die Autonomen kommen und sie machen unsere Stadt kaputt. Noch größer allerdings, war die Welle an Distanzierungen und Erklärungen, die darauf folgte. Natürlich wollte niemand etwas mit den Vorfällen zu tun haben und Aktivist*Innen aller Form und Farbe begannen zu erklären, wer dafür verantwortlich sei. Am Ende des medialen Diskurses kam man zu der Einigung, dass die schuldigen bestimmt nichts mit den Protesten gegen den G20 Gipfel zu tun hätten, dass es unterforderte jugendliche, kleinkriminelle und krawallgeile Opportunisten gewesen sein müssen, die die deutsche Medienlandschaft so aggressiv und nachhaltig betreten hatten.
Doch es gibt eine kleine Population von Aktivist*Innen, die derartige Straßenschlachten und Zerstörungsmärsche keineswegs als entgleisung betrachten. Sie verstehen sich nicht als links, lehnen Gewerkschaften, Syndikate und andere Massenorganisationen ab, verschicken stattdessen Briefbomben an EU-Kommissare und stehen für die Aufhebung der Dichotomie von Kommunismus und Individualismus.
Der Vortrag soll eine kurze Einführung geben in die Theorie und Praxis des Insurrektionalismus, oder aufständischen Anarchismus. Dabei werden wir knapp die historischen und aktuellen verwandschaften mit anderen anarchistischen Strömungen, von Ravachol über die Autonomen bis CrimethInc, beleuchten um uns den Grundlagen des Insurrektionalismus zu nähern und dessen Entwicklung zu verstehen.

Der Jour Fixe der Kritischen Uni Tübingen ist eine offene Diskussionsplattform, in der regelmäßig Themen vorgestellt und anschließend diskutiert werden.

Dazu ist jede_r herzlich eingeladen!

19.07.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6

19.07.2017, Jour fixe: Legitime und illegitime Kritik

In diesem Vortrag sollen einige Überlegungen zur Legitimität von Argumenten vorgestellt werden. Dabei geht es einerseits darum, welche Rechtfertigungen legitimerweise verwendet werden können sowie andererseits um Delegitimierungsstrategien, also Versuche, die Argumente der anderen Seite als illegitim darzustellen. Die präsentierten Gedanken wurden aus dem Fallbeispiel eines Konflikts über den geplanten Neubau einer Anschlussunterbringung für Geflüchtete entwickelt.

Der Jour Fixe der Kritischen Uni Tübingen ist eine offene Diskussionsplattform, in der regelmäßig Themen vorgestellt und anschließend diskutiert werden.

Dazu ist jede_r herzlich eingeladen!

19.07.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6

05.07.17: Jour fixe – Posadismus

Der Vortrag wird eine Einführung in das Werk des trotzkistischen Theoretikers J. Posadas (1912-1981) mit besonderem Schwerpunkt auf seine Gedanken über kommunistische Außerirdische geben (mit Bildern!) und den aktuellen Stand der posadistischen Theorie darstellen (ebenfalls mit Bildern!). Daran anschließend werden Probleme der heutigen Linken mit sozialistischer Strategie erörtert und eine Kritik am Begriff des Kommunismus formuliert.

Der Jour Fixe der Kritischen Uni Tübingen ist eine offene Diskussionsplattform, in der regelmäßig Themen vorgestellt und anschließend diskutiert werden.

Dazu ist jede_r herzlich eingeladen!

05.07.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6

21.06.17: Jour fixe – Inklusion

Inklusion – Kooperation von Reformkapitalismus und linker Pädagogik?

Inklusion und Diversity sind vielgebrauchte Begriffe in der (linken) Pädagogik. Während es oft (wie in der aktuellen Ausgabe der GEW Zeitschrift E&W) nur um praktische Fragen der Umsetzung geht und Inklusionskritik schon fast einem Verstoß gegen die Menschlichkeit gleichkommt, soll es im Jour Fixe der KUT um eine Problematisierung des Begriffs Inklusion gehen. Anhand der These „Inklusion ermöglich unerbittliche Selektion“ wird die Nähe von inklusiver Pädagogik und neoliberalem (Schul-)Markt deutlich. Nach einem kurzen Input folgt die Diskussion.

Der Jour Fixe der Kritischen Uni Tübingen versteht sich als offene Diskussionsplattform, in der regelmäßig Themen kurz vorgestellt und anschließend diskutiert werden.

Herzliche Einladung!
21.06.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6

Programm für das SoSe 17

Ab Mittwoch, 10. Mai, 18-20 Uhr, Institut für Erziehungswissenschaft, Seminarraum 112
Lesekreis: Heydorn lesen!
In dem Literaturkreis Heydorn lesen! soll es um die Bildungstheorie Heinz- Joachim Heydorns gehen. Eine Annäherung findet über die historische Entwicklung der Kritischen Theorie statt. Nach einer Einführung in die Kritische (und Negative) Pädagogik werden verschiedene Zugänge zu Heydorns Bildungstheorie erschlossen um in der zweiten Hälfte des Literaturkreises sowohl Primärtexte Heydorns zu lesen, als auch vor dem Hintergrund Heydorns Bildungstheorie eine Vertiefung in aktuelle Problemlagen der Bildungstheorie vorzunehmen.
Der Lesekreis ist für alle offen und man kann jederzeit dazu kommen!

Ab Dienstag, 09. Mai, 16-18 Uhr, Hegelbau, Raum 103
Lesekreis: „Was für Lebewesen sind wir?“
Das jüngste Werk Noam Chomskys (2016) beschäftigt sich mit der grundlegenden anthropologischen Frage nach dem Wesen des Menschen. Ausgangspunkt ist für den Linguisten die Sprache, welche sowohl Potentiale als auch Hindernisse für die menschlichen Fähigkeiten bereitstellt. Darauf aufbauend untersucht Chomsky den Menschen als soziales Wesen, welcher durch politische und wirtschaftliche Bedingungen beeinflusst wird. Die Entwicklung des Individuums kann durch diese Rahmenbedingungen nun entweder befördert oder beschränkt werden, wobei für Chomsky das aktuelle System bzw. der kapitalistische Staat Zweiteres bewirkt, weshalb er es einer radikalen Kritik unterzieht.

Ab Montag, 08. Mai, 16-18 Uhr, Institut für Politikwissenschaft (Melanchthonstr. 36), Raum 021.
Lesekreis: Die revidierte Psychoanalyse
Wo die Psychoanalyse nicht schon in das Alltagsbewusstsein und deren Vokabular eingegangen ist, taugt sie bestenfalls noch als ein Gegenstand für das Feuilleton, in dem entweder Geburtstage Freuds angekündigt werden, um mit anderen Gemeinplätzen dieser Theorie die jeweiligen Ausgaben zu füllen oder um sie zu benutzen um bspw. Kafka auf seinen Vaterkomplex zu reduzieren und einzudampfen. An der Universität begegnet Freud einem zudem noch als „Gründervater“ der Psychoanalyse und damit irgendwie auch der empirischen Psychologie, jedoch hat sich diese eher der messbaren Psychologie zugewandt. Wenn man, gleich ob in der Kneipe oder der Universität, versucht einen Sachverhalt irgendwie psychoanalytisch zu deuten, kann man häufig Worte wie, „das sei nun aber unwissenschaftlich (also nicht beweisbar)“, hören und begibt sich damit in die Gefahr als Kaffeesatzleser abgekanzelt zu werden.
Unser Lesekreis möchte genau diese Behauptungen zuerst mit Adornos Aufsatz Die revidierte Psychoanalyse näher bestimmen und Gründe dafür herausarbeiten. Danach könnten – je nach Interesse der Teilnehmenden – z.B. das Potential der Psychoanalyse für Gesellschaftskritik, kritische Wissenschaft u. ä. beleuchtet werden. Mögliche weitere Literatur wären Originaltexte von Freud oder Auszüge aus Triebstruktur und Gesellschaft von Herbert Marcuse.