Beiträge von kut

17.05.18 – Jour fixe: Cultural appropriation

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Cu… Ach egal! Bei unserem nächsten Jour Fixe wollen wir uns mit dem Thema Cultural Appropriation beschäftigen. Dabei wird es um folgende Fragen gehen:

Was ist unter Cultural Appropriation zu verstehen?

Welche Probleme haben Leute mit Cultural Appropriation?

Was kann daraus folgen, diese Probleme festzustellen?

Was ist in der Gesellschaft passiert, dass das Thema so interessant wurde?

Der Jour fixe der Kritischen Uni Tübingen ist ein offenes Treffen, bei dem regelmäßig verschiedene Themen vorgestellt und anschließend diskutiert werden. Dazu treffen wir uns alle zwei Wochen in den Räumen des Infoladens in der Schellingstrasse 6. Ihr seid alle herzlich eingeladen, mitzudiskutieren oder eigene Themen vorzustellen.

Termin: Donnerstag 17.05.18, 18 Uhr
Ort: Infoladen, Schellingstrasse 6

26.04.2018 – Jour fixe: Pläne machen

Alexander Herzen schrieb Mitte des 19. Jahrhunderts zu dem Umstand, dass in der sozialistischen Bewegung wenig Wert darauf gelegt wurde, konkrete Ideen dazu zu erarbeiten, wie eine zukünftige Gesellschaft nach dem Kapitalismus funktionieren soll: „Statt dessen begnügte man sich mit einer Fahne, einem Briefkopf, einem Gemeinplatz… Recht auf Arbeit… Aufhebung des Proletariats… Republik und Ordnung… Brüderlichkeit und Solidarität aller Völker… Und wie soll man das alles organisieren, verwirklichen? Das – kommt alles später. Wenn man erst einmal an der Macht ist, wird das übrige durch Dekrete, durch Plebiszite erledigt.“

Daran hat sich im Wesentlichen nur wenig geändert. Bei unserem Jour fixe wollen wir uns mit der Frage befassen, wozu sozialistischen Utopien und Zukunftspläne gut sind.

Dazu wird es zuerst einen kurzen Vortrag über die Geschichte der Auseinandersetzungen mit Zukunftsentwürfen und Utopien in der sozialistischen Bewegung geben. Der Vortrag wird die Kritik von Marx und Engels an den sogenannten „utopischen Sozialisten“, die Debatten in der deutschen Sozialdemokratie und der Sowjetunion sowie Adornos Kritik und gleichzeitig Befürwortung der Utopie darstellen.
Im zweiten Teil werden wir diskutieren, ob man sich als Kritiker*in des Kapitalismus mit konkreten Entwürfen einer zukünftigen sozialistischen Gesellschaft befassen sollte oder nicht. Dazu haben wir verschiedene Argumente für beide Positionen vorbereitet, die wir zusammen durchgehen werden.

Der Jour fixe der Kritischen Uni Tübingen ist ein offenes Treffen, bei dem regelmäßig verschiedene Themen vorgestellt und anschließend diskutiert werden. Dazu treffen wir uns alle zwei Wochen in den Räumen des Infoladens in der Schellingstrasse 6. Ihr seid alle herzlich eingeladen, mitzudiskutieren oder eigene Themen vorzustellen.

Termin: Donnerstag 26.04.18, 18 Uhr
Ort: Infoladen, Schellingstrasse 6

Programm für das Sommersemester 2018

[study group] Bedingungsloses Grundeinkommen

Termin: Montag 16.15 -18.45 Uhr
Erstes Treffen: Montag 23. April,
Raum: Infoladen, Schellingstrasse 6

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) hat sich in den letzten Jahren zu einem ernsthaften politischen Vorhaben entwickelt, das in fast allen politischen Lagern diskutiert wird und von verschiedenen Seiten Zuspruch und Kritik erfährt. Es gibt eine beinahe schon unübersehbare Anzahl von Initiativen, die jeweils eigene Formen des BGE propagieren. Da wir uns hier bei der Kritischen Uni keinen Trend entgehen lassen, möchten wir in diesem Semester eine Studiengruppe zu diesem Thema machen.

Wofür ist das BGE gut? Wie soll es funktionieren? (Wie) Kann es finanziert werden? Welche Probleme soll es lösen und kann es das überhaupt? Was sagt der Steuerzahler dazu? – Die Studiengruppe bietet die Möglichkeit, sich in gemeinsamer Recherche und Diskussion mit diesen und vielen anderen Fragen zu beschäftigen. Wir hoffen, dass am Ende keine Fragen offen bleiben und sich jede/r sein/ihr eigenes Urteil darüber bilden kann, was vom einem BGE zu halten ist.

[Lesekreis] Dialektik der Aufklärung (Exkurs 2: Juliette oder Aufklärung und Moral)

Termin: Montag 18 – 20 Uhr
Erstes Treffen: Montag 23. April
Ort: Theologicum Foyer

In dem Lesekreis ‚‘Dialektik der Aufklärung'‘ wollen wir eines der wichtigsten und einflussreichsten Werke der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno durcharbeiten. Letztes Semester haben wir uns mit den Kapiteln „Begriff der Aufklärung“ und „Exkurs 1: Odysseus oder Mythos der Aufklärung“ auseinandergesetzt. Dieses Semester möchten wir uns nun mit „Exkurs 2: Juliette oder Aufklärung und Moral“ beschäftigen. Da wir mit einem neuen Abschnitt des Buches beginnen, begrüßen wir auch neu Einsteiger.

Es kann generell zu jeder Zeit dazu gestoßen werden.

[Lesekreis] Anarchismus weltweit

Termin: Dienstag 18.15 -19.45 Uhr
Erstes Treffen: Dienstag 24. April,
Raum: Hegelbau, Raum 101

Anarchistische Bewegungen finden sich global an verschiedenen Orten, wobei sich die lokale Rezeption oftmals (trotz inhaltlicher Ablehnung) an nationalstaatlichen Grenzen orientiert. Um über den Nationalstaat als Denkkategorie hinaus zu kommen, sollen in diesem Lesekreis Texte zum Anarchismus aus aller Welt gelesen und diskutiert werden. Dabei geht es sowohl um aktuelle als auch historische anarchistische Bewegungen. Je nach Interessenlage der Teilnehmenden gibt es eine vorläufige Lektüreauswahl, die Texte über Anarchismus in Indonesien, Südafrika, Russland, USA, China, Nigeria, u.v.m. umfasst.

[study group] Revolution von Rechts? – Paradigmen sozialer Veränderung

Termin: Donnerstag 18.30 -20.00 Uhr
Erstes Treffen: Donnerstag 19. April,
Raum: Melanchthonzimmer, Burse

Seit dem von Francis Fukuyama ausgerufenem “ Ende der Geschichte” ist nun ebendiese Geschichte doch noch weiter angewachsen. Der Siegeszug der freien Marktwirtschaft über die staatskapitalistischen Systeme des Ostblocks hatte nicht wie erwartet zur Konsequenz, dass eine Liberalisierung des Staatenwesens, eine Abkehr vom Autoritarismus, eintritt. Im Gegenteil verstärken sich die Tendenzen dessen, was wir als Neue Rechte kennen, weltweit. Ob Putin, Orban oder Marine LePen – sie alle beziehen sich auf Theoretiker der Neuen Rechten. Angetrieben ist diese diffuse theoretische Mischung aus geisteswissenschaftlichen Erwägungen, die mit pseudowissenschaftlichen Argumenten eine Art “Mindset” erlauben, auf dessen Boden Hass und Menschenverachtung grassieren.
Dies bedeutet, dass durch wissenschaftliche Methoden nicht bloß Erkenntnisse generiert werden, sondern auch ideologische Muster reproduziert werden können und eine schleichende Unterwanderung des wissenschaftlichen Apparats von Rechts auch jetzt schon als eine reale Option erscheint.
Ebendiese Theorien, welche sich durchaus noch als zitierbar erweisen, möchten wir im Rahmen des Arbeitskreises der Kritischen Uni Tübingen untersuchen, das heißt wir lesen Texte, die zur ideologischen Basis der Neuen Rechten zählen und interpretieren sie auf ihrem Gehalt hin. Dazu lesen wir zusätzlich noch Beiträge und Interpretationshilfen von Historikern, Politikwissenschaftlern und Soziologen, die dieses Problem schon vor uns erkannt haben.

[study group] Wie soll der Sozialismus aussehen?

Termin: Sonntag 14 – 16 Uhr, alle zwei Wochen
Erstes Treffen: Sonntag 29. April,
Raum: Infoladen, Schellingstrasse 6

Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft hat für die Menschen nur dann eine praktische Relevanz, wenn es eine andere, bessere Art und Weise gibt, die Gesellschaft zu organisieren. Dennoch passiert es nicht oft, dass man von Sozialist*innen herauskriegt, wie sie sich diese andere Gesellschaft konkret vorstellen. Noch seltener sind unter diesen Vorstellungen halbwegs durchdachte Konzepte zu finden.

Aus diesem Grund organisiert die KUT in diesem Semester eine Studiengruppe zu der Frage, wie eine sozialistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung aussehen könnte. Um diese Frage zu beantworten, wollen wir uns, zusammen mit allen, die daran ein Interesse haben, mit älteren und zeitgenössischen Konzepten zur Organisation einer sozialistischen Gesellschaft auseinandersetzen und sie auf ihre Tauglichkeit prüfen. Der Fokus wird auf konkreten Vorschlägen und Maßnahmen liegen, die über die üblichen Allgemeinplätze zu dieser Frage hinausgehen. Ein irgendwie gefestigtes politisches Weltbild und die einwandfreie Beherrschung linker Parolen sind keine Voraussetzung für die Teilnahme, Interesse am Thema und die Bereitschaft, sich ernsthaft und kontinuierlich an der gemeinsamen Diskussion zu beteiligen, dagegen schon. Kritik an sozialistischen Konzepten ist willkommen und erwünscht, solange sie sachlich bleibt.

31.01.2018 – Jour fixe: Materialismus und Moral

Materialismus und Moral oder lässt sich aus dem Sein auf ein Sollen ableiten?

Seit David Hume gehört es zum philosophischen Gemeingut, dass aus dem Sein kein Sollen folgt, dass also nur weil etwas ist, es nicht zugleich gut ist. Damit ist die Trennung von normativer und deskriptiver Theorie eingeleitet, wonach Moralphilosophie die Frage danach, wie ich handeln soll aus Prinzipien zu beantworten versucht und die Wirklichkeit nur als Beispiel herbeizitiert. Hegel hatte dies bereits gegen Kant, dessen kategorischer Imperativ dieses Verständnis von Moral zur Perfektion gebracht hat, kritisiert: Das Postulat eines reinen Sollens, so Hegel, müsse dazu führen, dass man schlechterdings gar nicht mehr Handeln kann und somit das was Moralphilosophie zu beanspruchen versucht – eine Orientierung des Handelns zu bieten – verfehlt wäre. Während Hegels Kritik für konservative Vereinnahmung offen steht, formuliert eine materialistische Theorie im Anschluss an Marx und Engels eine anders gelagerte Kritik der Trennung von normativer und deskriptiver Theorie: Wenn das gesellschaftliche Sein, das Bewusstsein bestimmt, dann sind auch die normativen Grundsätze und selbst noch das formale Prinzip des kategorischen Imperativs Resultat der vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse und damit das Normative und das Deskriptive nicht voneinander zu trennen. Entsprechend gehen Marx und Engels gegen jene sozialistischen Strömungen hart ins Gericht, die aufgrund normativer Erwägungen und die Berufung auf Menschenrechte soziale und politische Forderungen aufstellen. Ein Widerhall dieser Debatten findet sich im 20. Jahrhundert etwa in den Auseinandersetzungen zwischen Sartre und Althusser oder Foucault und Chomsky und auch die frühe „Frankfurter Schule“ rang damit, wie das Verhältnis von Materialismus und Moral (Horkheimer) zu bestimmen sei. Heute scheinen diese Erwägungen und Debatten keine Rolle mehr zu spielen: Axel Honneth als Vertreter der „dritten Generation“ der Kritischen Theorie schreibt über die Idee des Sozialismus, Gesellschaftstheorie scheint dabei durch Gerechtigkeitstheorie ersetzt worden zu sein. Zugleich berufen sich strömungsübergreifend Linke positiv und uneingeschränkt auf Menschenrechte, dabei fällt die öffentlich geführte Debatte über ein Recht auf Migration zumeist hinter die Einsicht der Punkband „Die Goldenen Zitronen“ zurück, die bereits vor 12 Jahren feststellten: „Über euer scheiß Mittelmeer käm ich, wenn ich ein Turnschuh wär. Oder als Flachbild-Scheiß – ich hätte wenigstens ein‘ Preis“. Ähnlich hilflos wird gegenwärtig ein Streit um Meinungsfreiheit an Universitäten geführt, bei der politische Positionen zugunsten moralisierender Argumente unsichtbar gemacht werden. Vor diesem Hintergrund möchte ich gerne mit euch über das Verhältnis von kritischer Theorie und Moral diskutieren.

20.12.17 – Jour fixe: (Wie) können Männer Feministen sein?

Plädoyer für eine Kritik der Männlichkeit als Grundlage des Feminismus von Männern

Es ist selbstverständlich gut, dass immer mehr über feministische Themen gesprochen wird und auch viele Männer beginnen, sich für diese Themen zu interessieren. Doch wohl zu Recht weisen einige Feministinnen darauf hin, dass Männer in einem schwierigen Verhältnis zum Feminismus stehen. Männlichkeit ist ja zunächst erstmal der Grund, warum Feminismus überhaupt notwendig ist. Sie steht dem feministischen Anliegen also entgegen, doch liegt in ihr auch die Möglichkeit, den Feminismus überflüssig zu machen. Feministische Männer erscheinen insofern vielversprechend. Andererseits kann Emanzipation der Frau nicht bedeuten, auf die bessere Einsicht von Männern zu warten, sondern ist nur dann ernst, wenn die Frauen sich ohne Rücksicht auf Männer nehmen, was sie brauchen. Die Krux der Männlichkeit besteht eben darin, dass sie sich nicht von selbst auflöst, sondern im Gegenteil dazu tendiert, sich zu erhalten. Als Mann dagegen anzukämpfen ist schwieriger, als es vielleicht auf den ersten Blick scheint.

Männlichkeit gelingt es sogar, die feministischen Anforderungen mit denen sie konfrontiert wird, dazu zu benutzen sich selbst zu reproduzieren. Männer, die immer souverän und kontrolliert wirken müssen, haben längst verstanden, dass diese Anforderungen eine Gelegenheit, ihre Souveränität unter Beweis zu stellen, darstellen. Der moderne Mann ist feministisch. Die populäre Aussage “Echte Männer sind Feministen” klingt nach einem politischen Erfolg der Feministinnen, doch übersehen wird, dass Männlichkeit das eigentliche Problem ist, und echte Männlichkeit überhaupt nicht erstrebenswert ist. Allzu schnell verstehen sich Männer als Feministen und bemerken währenddessen oft gar nicht, was erstmal von Nöten wäre: Das Eingeständnis davon, dass große Teile des Feminismus auf eine Wirklichkeit reagieren, die Männer nicht teilen. Anstatt einer selbstvergewissernden Solidaritätserklärung mit dem Feminismus sollte also erstmal die Bereitschaft vorhanden sein, darüber von Frauen aufgeklärt zu werden. Und natürlich eine Selbstreflexion der eigenen Männlichkeit.

Debatten über Feminismus drehen sich oft nur über die Frauen, was sie können und nicht können, sollen und nicht sollen etc., doch über fragile männliche Subjektkonstitution wird gar nicht so oft gesprochen. Doch gerade Männer sollten sich kritisch mit dieser beschäftigen.

Wir wollen über die Möglichkeit des Feminismus von Männern diskutieren. Ist zu vor eine sowohl theoretische als auch praktische Kritik der Männlichkeit von Nöten, und wie könnte dies stattfinden?

Unser Jour fixe ist eine Veranstaltung, zu der wir uns alle zwei Wochen an einem Mittwoch treffen, um Themen zu diskutieren, die uns gerade beschäftigen. Jede_r von euch ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, mitzudiskutieren oder euch von den anderen zu eigenen Gedanken, Überlegungen, Thesen, Fragen … anregen zu lassen.

05.12.17 – Vortrag: Die Novemberrevolution 1918

Der erste Weltkrieg erschütterte Europa und die Welt. Vor dem Krieg galt die Sozialdemokratische Partei Deutschlands als die mächtigste sozialistische Partei der Welt. Durch ihre Bewilligung der Kriegskredite im August 1914 machte sie den Weg frei zum großen Krieg. Während an den Fronten die Massen starben, regte sich in den deutschen Städten zu Beginn nur wenig Widerstand. Als sich die Situation der Bevölkerung jedoch zunehmend verschlechterte und Karl Liebknecht im Juni 1916 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, begannen Massenstreiks, die bis zum Ende des Krieges nicht abließen. In Folge der Politisierung der Basis kam es zur Spaltung der SPD. In der USPD kristallisierte sich der sozialistische Widerstand gegen den Krieg, in den Gewerkschaften bildete sich das Netzwerk der „Revolutionären Obleute“ und organisierte Massenstreiks. Gemeinsam mit den meuternden Matrosen der Kieler Flotte setzte diese Koalition der Kriegsgegner ein Lauffeuer in Gang, das unter dem Namen „Novemberrevolution“ in die Geschichte eingegangen ist.

Der Historiker Ralf Hoffrogge wird Ursachen und Verlauf der Ereignisse rekapitulieren.

Dienstag 05.12.2017, 18 Uhr
Ort: Verfügungsgebäude, Wilhelmstrasse 19 72074 Tübingen, Hörsaal 0.02

22.11.17 – Jour fixe: Plurale Ökonomik und/oder das Elend der WiWi

Es ist eine weit verbreitete common sense Vorstellung, dass man Dinge oder Sachverhalte nur adäquat darstellen kann, wenn man verschiedene Perspektiven einnimmt oder unterschiedliche Ansätze wählt.
Dem gegenüber scheinen Positionen, die nur eine Herangehensweise wählen, das Etikett Dogma zu verdienen. Die Frage die sich stellt, ist also: Woraus beziehen beide Postitionen ihre Legitimation, bzw. wie ist zu entscheiden, auf welche Seite des Konfliktes man sich stellt.

Auch in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wird von allen Seiten „Methodenmix“, „Methodentriangulation“ uvm. eingefordert. In den Wirtschaftswissenschaften gibt es seit einigen Jahren die Initiative „Netzwerk Plurale Ökonomik“, die eine stärkere Pluralität in Forschung und Lehre der Wirtschaftswissenschaften einfordern und damit quer zum Mainstream der Wirtschaftswissenschaften stehen.

Am Beispiel des „Netzwerks Plurale Ökonomik“ wird im Vortrag versucht darzustellen, dass die Frage „Dogma oder Pluralismus“ sowohl in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften selbst, als auch in deren Kritik die falsche Frage ist. Mit dieser Einsicht wird versucht werden, die auf der falschen Frage beruhenden falschen Antworten zu kritisieren und damit dieses „Entweder Oder“ an sich selbst zu kritisieren.

Unser Jour fixe ist eine Veranstaltung, zu der wir uns alle zwei Wochen an einem Mittwoch treffen, um Themen zu diskutieren, die uns gerade beschäftigen. Jede_r von euch ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, mitzudiskutieren oder euch von den anderen zu eigenen Gedanken, Überlegungen, Thesen, Fragen … anregen zu lassen.

25.10.17 – Jour fixe: Wenn man über Rassismus redet

„Rassismus“ bezeichnet in der öffentlichen Rede heute nur noch selten eine Diskriminierung oder Unterdrückung unter Verweis auf biologische Unterschiede zwischen Menschen. Ähnlich wie „Nazi“ oder „faschistisch“ hat sich dieser Begriff so ausgeweitet, dass heute viel mehr Handlungen, Vorstellungen, Gedanken und gesellschaftliche Verhältnisse damit bezeichnet werden als die meiste Zeit des 20. Jahrhunderts hindurch. In der Regel ersetzt er heute einfach die Bezeichnung „Fremdenfeindlichkeit“.

Das ist keine neue Entwicklung. In wissenschaftlichen Debatten tauchen Begriffe wie „kultureller Rassismus“ oder „Rassismus ohne Rassen“ schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts auf. Allerdings fällt diese Veränderung an den Diskussionen über die AfD, Pegida, Trump, Rechtspopulismus usw. sehr stark auf. Wie es zu dieser Entwicklung kam, was davon zu halten ist, ob und welche Schwierigkeiten mit so einer Verwendung des Begriffs verbunden sind oder ob sie eine folgerichtige Anpassung an veränderte gesellschaftliche Bedingungen darstellt – das alles wollen wir zusammen beim nächsten Jour fixe der Kritischen Uni diskutieren.

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Unser Jour fixe ist eine Veranstaltung, zu der wir uns alle zwei Wochen an einem Mittwoch treffen, um Themen zu diskutieren, die uns gerade beschäftigen. Jede_r von euch ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, mitzudiskutieren oder euch von den anderen zu eigenen Gedanken, Überlegungen, Thesen, Fragen … anregen zu lassen.

25.10.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6

08.10.17, Vortrag: Der Antikapitalismus der Nazis

Der Antikapitalismus der Nazis
Reaktionär, antisemitisch – und manchen näher, als sie meinen

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 8. November 2017, Tübingen
Hegelbau, Raum 101, Wilhelmstr.36

Eine Veranstaltung des Jungen Forums der DIG und der Kritischen Uni Tübingen

Nazis haben was gegen den Kapitalismus. Anders als viele glauben wollen, war das schon immer mehr als Demagogie, sondern durchaus ernst gemeint. Zentral für ihren Antikapitalismus sind der positive Bezug auf „Volk“, „Nation“ und „Arbeit“, der eingebildete Gegensatz zwischen einem guten „schaffenden“ und einem schlechten „raffenden“ Kapital sowie die Affirmation des Kampfes „der ehrlich Arbeitenden gegen die Raffgierigen“. Eine national-sozialistische deutsche Arbeiter-Partei hatte dieses Programm schon einmal recht weitgehend verwirklicht: „Arbeit macht frei“ stand nicht zufällig über dem Tor von Auschwitz.

Heute verquicken nicht nur erklärte Nazis, sondern auch präfaschistische „Rechtspopulisten“ wieder gerne die Begriffe „national“ und „sozial“. Sie erhoffen sich dafür nicht ohne Grund Sympathien aus großen Teilen der Bevölkerung, die sich zwar soziale Verbesserungen wünschen, „aber nur für Deutsche“. Die verbreitete unreflektierte Wut auf „gierige Politiker“ und „Lügenpresse“ erweist sich zudem als fruchtbarer Nährboden für Nazi-Propaganda.

Leider begegnet einem ein oberflächlicher und personalisierender Antikapitalismus auch in der „Mitte der Gesellschaft“ und in der politischen Linken. Das macht den Antikapitalismus der Nazis auch heute wieder anschlussfähig und gefährlich. Die Verbreitung einer reflektierten Kapitalismuskritik, die sich grundlegend davon unterscheidet, ist gerade in Krisenzeiten dringend geboten. Denn man kann Nazis umso besser bekämpfen, je weniger Gemeinsamkeiten man mit ihnen hat.

Lothar Galow-Bergemann war Personalrat in zwei Großkliniken und schreibt u.a. in Jungle World, konkret und auf www.emafrie.de

Programm für das WS 17/18

Lesekreis: Dialektik der Aufklärung

Dienstags ab 18:00 im Theologicum: Seminarraum 1

Auch in diesem Semester bietet die Kritische Uni Tübingen mehrere Veranstaltungen an. Unter anderem diesen Lesekreis zu einem der wichtigsten und einflussreichsten Werke der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule: Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Wir wollen uns zuerst einen Überblick über die Grundlagen der Kritischen Theorie verschaffen, um anschließend direkt in die Lektüre der Dialektik der Aufklärung einzutauchen. Alle sind willkommen, es kann zu jedem Zeitpunkt dazu gestoßen werden.

Lesekreis: Einführung in die marxistische Rechtskritik

Donnerstags ab 18:00 in der Alten Physik, Hörsaal 16

Die Linke hat in ihrer Geschichte, wie in ihrer Gegenwart, häufig die Tendenz in ihren Bestrebungen Institutionen wie Staat, Recht oder Politik für ihre Zwecke unreflektiert in Anschlag zu bringen. Darin kann man einen Grund sehen, wieso sie notwendig daran scheitert, ihrer Ziele zu verwirklichen.
Von vielen Seiten wird am marx’schen Werk „bemängelt“, dass der eigentliche Plan, im Kapital eine eigene Staatskritik zu formulieren, nicht verwirklicht sei und deshalb die Aufforderung formuliert wird, sie noch zu leisten. Dabei weist der Untertitel des Kapitals „Kritik der politischen Ökonomie“ auf die Einheit von Kapital- und Staatskritik hin. Eugen Paschukanis Versuch dies an den juristischen Grundbegriffen darzustellen, ist neben einigen Versuchen in den 20er und 30er Jahren aus dem Marx-Engels Institut in Moskau ein früher Versuch einer nicht staatssozialistisch instrumentalisierten Kritik der Gesellschaft in marx’schen Begriffen.
Deshalb wollen wir uns im Lesekreis einen Einblick in die Thematik der marxistischen Rechtskritik verschaffen und dazu die Lektüre Paschukanis‘ ersten Werks heranziehen. Wir freuen uns auf einen Austausch mit allen.