Online-Veranstaltungsreihe: Polizei:Gewalt – Analysen & Kritiken

Polizeigewalt ist kein neues Phänomen, rückt aber derzeit in vielen Ländern in den Fokus öffentlicher Debatten. Während die Reihe der dokumentierten „Einzelfälle“ nicht abreißen will, sich Proteste und kritische Vorschläge zu einer Reform der Polizei häufen und die offiziellen Stellen darauf oftmals mit Ablehnung oder Stummschalten reagieren, stellen sich Fragen nach dem Ausmaß, den Gründen, Folgen und Mechanismen von Polizeigewalt. Zur Beantwortung dieser Fragen will die Veranstaltungsreihe beitragen – immer mit dem Blick darauf, was getan werden kann, um die Situation zu verbessern.

Die einzelnen Veranstaltungen umfassen verschiedene Perspektiven und Befunde zur Polizeigewalt, wie eine kritische Innensicht auf die Polizei, eine psychologische Sichtweise auf Betroffene sowie einen Ausblick darauf, welche Alternativen es zur aktuellen polizeilichen Praxis gibt. Wir möchten alle Interessierten einladen gemeinsam mit uns und den eingeladenen Gästen auf dieser Basis über das Thema Polizeigewalt nachzudenken und emanzipatorische Perspektiven zu entwickeln.

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1. Polizeigewalt in Deutschland – Einführung und Überblick (02.02.2021, 19 Uhr)

Gewaltanwendungen durch Polizist*innen erfuhren im vergangenen Jahr vermehrt ein starkes mediales Echo. Durch die Black Lives Matter Bewegung wurde auch in Deutschland erneut eine Debatte über unrechtmäßiges Handeln von Polizist*innen und den staatlichen Umgang mit derartigen Fällen angeregt.
An der Ruhr-Universität Bochum wird seit einigen Jahren zu rechtswidriger Polizeigewalt geforscht. Die Studie KviAPol (Körperverletzungen im Amt durch Polizeibeamt*innen) hat zum Ziel Betroffenenerfahrungen zu erfassen um das mutmaßlich große Dunkelfeld ein Stück weit auszuleuchten. Zudem wurden Interviews mit Personen aus Polizei, Justiz und Zivilgesellschaft geführt. Der Vortrag stellt erste Ergebnisse der Studie vor, wobei ein besonderer Fokus auf den Gewalterfahrungen von Personen mit Migrationshintergrund und People of Color liegt.

Hannah Espín Grau ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt KviAPol am Lehrstuhl für Kriminologie von Prof. Singelnstein in Bochum.

► Mitmachen auf Zoom:
https://zoom.us/j/98658934038?pwd=ZEIyUkFhbXQzdVFxSHFkcnlGdHp4UT09
Meeting-ID: 986 5893 4038
Kenncode: 152965

► Livestream auf YouTube:
https://youtu.be/6YZTnAL45WM

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2. Cop Culture – Der Alltag des Gewaltmonopols (09.02.2021, 18 Uhr)

Cop Culture – Polizei- oder Polizistenkultur – ist ein Begriff, der die Werte, Einstellungen und Gewohnheiten von Polizist*innen beschreibt, die ihren Arbeitsalltag prägen. Zusammen mit Rafael Behr wollen wir diskutieren, wie Cop Culture mit Polizeigewalt, Männlichkeitsbildern und Korpsgeist in der Polizei zusammenhängt und welche Rolle die polizeiliche Subkultur bei der Aufarbeitung von Gewalt und Rassismus spielt.

Rafael Behr, viele Jahre lang selbst Polizeibeamter, ist Professor für Polizeiwissenschaften an der Hochschule der Polizei Hamburg und Mitglied im Arbeitskreis Empirische Polizeiforschung. Er forscht zur Organisationskultur der Polizei und hat in seinem gleichnamigen Buch (2008) eine kritische Bestandsaufnahme der Cop Culture für den deutschsprachigen Raum vorgelegt.

► Mitmachen auf Zoom:
https://zoom.us/j/91959361127?pwd=dlp0dkN3WTdLRk5SV1pXQXVFY085Zz09
Meeting-ID: 919 5936 1127
Kenncode: 848617

► Livestream auf YouTube:
https://youtu.be/4NQ0qW1L4Jg

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3. Was läuft schief bei der Polizei? – Eine Innen-Perspektive (18.02.2021, 18 Uhr)

In diesem Gespräch mit Oliver von Dobrowolski beleuchten wir aus einer kritischen Innenperspektive das Phänomen der Polizeigewalt. Unser Gast äußerte sich bereits vielfach in verschiedenen Medienbeiträgen und seinem Blog zu problematischen Aspekten der Polizei, wie gewalttätigen Einsätzen, Rechtsextremismus oder dem Fehlen von unabhängigen Polizeibeauftragten oder Beschwerdestellen. So kritisierte er als einer der wenigen PolizistInnen das Vorgehens der Polizei in Hamburg im Rahmen der G20-Proteste, welches nicht für eine bürgerrechtsfreundliche Polizei stehe. Wir möchten mit ihm den Fragen nachgehen, warum es aus seiner Sicht zu Polizeiübergriffen kommt, was einer nachträglichen Aufarbeitung oftmals im Wege steht und welche Möglichkeiten er sieht, Polizeigewalt einzudämmen.

Oliver von Dobrowolski ist Kriminalhauptkommissar in Berlin und der Bundesvorsitzender der Berufsvereinigung PolizeiGrün.

► Mitmachen auf Zoom:
https://zoom.us/j/98780980638?pwd=VkZKb3F3L3F5VXpCQnJqWEVIZUcxdz09
Meeting-ID: 987 8098 0638
Kenncode: 391936

► Livestream auf YouTube:
https://youtu.be/jU4fcY140CU

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4. Racial Profiling – Über Folgen und Gründe (23.02.2021, 18 Uhr)

In zwei kurzen Input-Vorträgen der beiden Gäste und einer anschließenden gemeinsamen und offenen Diskussion wollen wir uns dem Themenkomplex racial profiling annähern. Eben Louw beschäftigt sich aus seiner psychologisch-therapuetischen Perspektive mit den Problemen und Herausforderungen, die von racial profiling betroffene Menschen zu bewältigen haben. Astrid Jacobsen geht auf die Gründe ein, warum es vonseiten der Polizei in bestimmten Situationen zu racial profiling kommt und wie diese Praxis verändert werden könnte.

Eben Louw arbeitet als Psychotherapeut und bietet rassismussensible Supervisionen, sowie psychologische Beratung für Opfer von rassistischer Gewawlt an.
Astrid Jacobsen ist Professorin an der Polizeiakademie Niedersachsen mit den Schwerpunkten empirische Polizeiforschung und Polizei im Einwanderungsland Deutschland (u.a. interkulturelle Kompetenz).

► Mitmachen auf Zoom:
https://zoom.us/j/92283275472?pwd=T0RqUXpuTHU1RHNaMVVWYlpBN2pwdz09
Meeting-ID: 922 8327 5472
Kenncode: 776235

► Livestream auf YouTube:
https://youtu.be/4MRcdc00TtQ

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5. Protest Policing im Wandel? Konservative Strömungen in der Politik der Inneren Sicherheit am Beispiel des G20-Gipfels in Hamburg (02.03.2021, 18 Uhr)

Der G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 wurde zum Medienereignis, jedoch weniger wegen der Ergebnisse des Gipfels oder der Großdemonstrationen, sondern aufgrund der gewaltförmigen Eskalationen im Laufe der Protestwoche. Eine emotionale öffentliche Diskussion schloss sich an, in der u.a. der politische (Nicht-)Gehalt der Riots diskutuert und Maßnahmen gegen die linksradikale Szene gefordert wurden, aber auch starke Kritik an der Polizei, ihren Strategien und der Häufung von Polizeigewalt geäußert wurde. Die Ereignisse in Hamburg haben grundsätzliche Fragen nach dem sicherheitsbehördlichen Umgang mit Protesten aufgeworfen, etwa inwiefern die polizeiliche Einsatztaktik Einfluss auf Gewaltdynamiken politischer Proteste hat oder welche Konsequenzen die repressiven Reaktionen der Hamburger Justiz für zukünftige Protestereignisse hat. Der Vortrag soll vor diesem Hintergrund einen Überblick zu Aspekten der „Protest Policing“-Forschung geben, wesentliche Konfliktlinien in Hamburg aufzeigen sowie mit einer Diskussion der justiziablen Bearbeitung des Protestereignisses als Bestandteil einer Eskalationsdynamik abschließen.

Daniela Hunold forscht zu den Themen Polizei in der Einwanderungsgesellschaft, raumorientierte Kriminologie und Institutionen sozialer Kontrolle.

► Mitmachen auf Zoom:
https://zoom.us/j/96348222108?pwd=Rjd5clprSTM5aUdDZ1JYQXI2UDF5dz09
Meeting-ID: 963 4822 2108
Kenncode: 229247

► Livestream auf YouTube:
https://youtu.be/pF9WWb5Qp_A

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6. Ausblick – Eine Welt ohne Polizei? (09.03.2021, 18 Uhr)

Für viele marginalisierten Menschen in unserer Gesellschaft sind Polizei und Justiz keine sicheren Institutionen. Ausgehend von ihren Erfahrungen ist in den letzten 20 Jahren eine Bewegung von Queers und Frauen of color erwachsen, die Alternativen entwickelt hat, um mit sexualisierter und zwischenmenschlicher Gewalt umzugehen. Sie gruppiert sich um die Begriffe „Community Accountability“ (gemeinschaftliche Verantwortung) und „Transformative Justice“ (auf Verhaltensänderung zielende Gerechtigkeit). Wir möchten euch einladen, zusammen mit Melanie Brazzell und Nadija Samour diese abolitionistischen Alternativen zu diskutieren und zu überlegen, wie eine Welt ohne Polizei aussehen kann.

Melanie Brazzell gründete das Transformative Justice Kollektiv Berlin mit und entwickelte das Multimediaprojekt „Was macht uns wirklich sicher?“ Melanie hat zwei Bücher zum Thema veröffentlicht: das „Was macht uns wirklich sicher? Toolkit“ und „Was tun bei sexualisierter Gewalt? Handbuch für die transformative Arbeit mit gewaltausübenden Personen“.
Nadija Samour, Mit-Autorin des „Was macht uns wirklich sicher?“-Toolkits, betätigt sich als Strafverteidigerin für Gefangene.

► Mitmachen auf Zoom:
https://zoom.us/j/98965550110?pwd=cmRITVg3d1BjY3RrUTVxaUtmS2RQdz09
Meeting-ID: 989 6555 0110
Kenncode: 777417

► Livestream auf YouTube:
https://youtu.be/tSphyotIQpI

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Die Veranstaltungsreihe findet mit finanzieller Unterstützung durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg statt
https://bw.rosalux.de/


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