Lesekreis im WS 19/20: André Gorz – Abschied vom Proletariat

André Gorz‘ Buch „Abschied vom Proletariat. Jenseits des Sozialismus“ war ein Klassiker der Neuen Linken und wird – wie auch sein restliches Werk – in den heutigen Automatisierungs- und Digitalisierungsdebatten wieder stärker rezipiert. Mit diesem Buch vollzog er seine Abkehr vom Marxismus und wendete sich einem undogmatischen Ökosozialismus zu.

„“Abschied vom Proletariat“ bedeutet Abschied von der traditionellen Doktrin, das Proletariat sei diejenige gesellschaftliche Klasse, in der sich die Menschheit wiedererkenne, um den Kapitalismus zu überwinden. André Gorz konstatiert, dass Marxens Konzept sich auf eine „hegelsche Theophanie“ gründete, nicht auf empirische Beobachtung des realen Proletariats. Die ökonomische Entfaltung des Kapitalismus habe die Rolle des Proletariats als wirksame Gegenklasse allmählich außer Kraft gesetzt. Statt den Produktionsprozess zu bestimmen, wurde es zu dessen Anhängsel. Diese geschichtliche Schwächung des Proletariats mobilisiert nun die Hoffnung auf einen äußeren Retter: eine autoritäre kommunistische Partei oder einen faschistischen Führer.

Dennoch erlaubt der ökonomische Stand der Industrieländer die Herausbildung einer emanzipierten sozialistischen Gesellschaft. Doch wird sie eher das Werk der „Nicht-Klasse“ der „Nicht-Arbeiter“ als das der Arbeiterklasse sein. Vernünftige Bedürfnisbefriedigung bei drastischer Arbeitszeit-Verkürzung ist möglich; Verkürzung der Arbeitszeit ist angesichts des technologischen Wandels, der ständig Arbeitskräfte freisetzt zwingend geboten. Gorz plädiert nicht für „Abschaffung“ des Staates oder der Politik; er glaubt nicht, dass kleine
Gemeinschaften, die sich aus der großen Gesellschaft zurückziehen, das künftige Orientierungsmodell des Sozialismus sein können. Die Lösung erblickt er eher in einer „dualistischen Gesellschaft“, in der zentrale Instanzen mit Basisinitiativen verbunden, die Imperative notwendiger Arbeit mit freier subjektiver Tätigkeit vermittelt sind.“

Erstes Treffen:
Montag, 28.10.2019. 17 Uhr in der Gartensia, Gartenstrasse 7


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