Selbstorganisiertes Seminar zum Poststrukturalismus

Flyer zum selbstorganisierten Poststrukturalsimus-Seminar im WS11/12

Kennst Du das auch: Du – Brille, hippe Frisur, Marke „Student“[*] – hast Dich gerade im Seminar gemeldet und nimmst das Gerede des Dozenten auseinander, als ein Kommilitone aus der hinteren Reihe das Wort ergreift. Brille, hippe Frisur, Marke „Student“. Deine brilliante Ideologiekritik wird mit dem Verweis auf „Diskurse“, sog. „Machtverhältnisse“ u.ä. zerredet. Nicht, wer recht hat, sei die interessante Frage, sondern, wer, warum und wie Wahheit für sich in Anspruch nimmt. Unvermeidlich fallen Namen: Foucault, Derrida, Butler, Deuleuze, Guattari, Barthes etc. Wir gratulieren – Du hast Kontakt mit Poststrukturalismus gehabt!

Was ist dieser Poststrukturalismus bloß, denkst Du Dir. Wo kommt er her? Was hat es mit ihm auf sich? Und warum beanprucht dieser Typ Wahrheit für s e i n e Aussagen? (Mit der letzten Frage bist Du auf dem besten Wege Poststrukturalist_in zu werden.)
Fragen über Fragen und keine Antwort in Sicht? – Kritische Uni hilft!

[* Musst natürlich kein_e Studi sein um mitzumachen]

Was ist Poststrukturalismus?

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich in den Geisteswissenschaften eine Strömung gebildet die unter dem Namen Poststrukturalismus/postmoderne Philosophie bekannt ist. Ihre Theorien greifen weit aus und stellen neben sozialwissenschaftlichen und philosophischen auch naturwissenschaftliche Erklärungen der Welt infage. Thesen wie zum Beispiel die, dass auch der „sex“, das biologische Geschlecht, sozial konsturiert sei (J. Butler), erregten hier Aufsehen.

Warum wir?

Im Unibetrieb kommt der Poststrukturalismus zwar teilweise vor, allerdings oft nur unter der in sozialwissenschaftlichen Seminaren gängigen Voraussetzung, dass man letztlich – zumindest in seinem eigenen Fachgebiet – sowieso nicht entscheiden könne, ob die jeweilige Theorie stimmt. In Veranstaltungen, die gar nicht das Ziel haben die Geltung der Theorien, mit denen sie sich befassen, zu beurteilen, braucht man sich nicht wundern, wie sie darin vorkommen: Als einzelne Theorien unter vielen, für die man sich eben entscheiden kann oder nicht.

Theorien, die andere Theorien kritisieren, kann man so nicht gerecht werden. Wenn man sich nur anschauen will, welches Ergebnis bei der „Anwendung“ einer Theorie, denn am besten zu dem Phänomen passt, das man sich erklären möchte, bringt man sich tendenziell um das Wesentliche der jeweiligen Kritik. Der Inhalt einer Kritik an einer anderen Theorie ist nunmal, dass die andere Theorie – aus bestimmten Gründen – zumindest teilweise falsch ist. Die Kritik betrifft also einen Bereich, den man sich entschieden hat, nicht entscheiden zu können.

Wir wollen in diesem Seminar die Theorien nun wirklich beurteilen.

Wer macht das?

Das Seminar ist das zweite von Studis selbstorganisierte Seminar im Rahmen der Kritischen Uni Tübingen (KUT). Im letzten Jahr setzten wir uns mit der „Kritischen Theorie“ auseinander, einer Strömung, die auch unter dem irreführenden Namen der „Frankfurter Schule“ bekannt ist.

Wie geht’s weiter, was soll noch geschehen?

Wenn wir uns am Ende dieses Wintersemesters einen Einblick in den Poststrukturalismus verschafft haben, wollen wir uns im folgenden Sommersemester die Frage stellen, in welchem Verhältnis die Kritische Theorie zum Poststrukturalismus steht:
Einige Forscher, die sich in die Tradition der Kritischen Theorie stellen, behaupten Folgendes: Bei der postmodernen Philosophie handele es sich um ein Geschäft, das „jede allgemeine Begriffsbestimmung als „logozentrisch“ und jede Betrachtung der Gesellschaft unter Vernunftkriterien als totalitär denunzieren“ will. Deshalb sei sie sowohl als „Reflex der objektiven Unbrauchbarkeit der Welt unter den Bedingungen spätkapitalistischer Vergesellschaftung“ als auch als „Versuch einer Sinnstiftung ebendieser Verhältnisse“ zu verstehen.

Zu dieser Frage würden wir im kommenden Sommersemester gerne eine Veranstaltungsreihe abhalten, auf der externe Referent_innen zu dem Thema sprechen. Zeitlgleich wollen wir uns mit eigener Lektüre dem Thema annehmen und uns eine Position erarbeiten. Die Vorbereitung einer solchen Reihe wird schon in diesem Semester von Nöten sein.

Ort und Zeit und Rest

Immer Dienstags um 18 Uhr c.t. im Seminar für Wirschaftswissenschaften, Mohlstraße 36 im Raum E05. Die einzelnen Sitzungen bauen nicht aufeinander auf sondern widmen sich jeweils einem_r Theoretiker_in, man kann also immer mal kommen und dann wieder nicht.

Hier gibt es nun einen ersten Seminarplan.