20.12.17 – Jour fixe: (Wie) können Männer Feministen sein?

Plädoyer für eine Kritik der Männlichkeit als Grundlage des Feminismus von Männern

Es ist selbstverständlich gut, dass immer mehr über feministische Themen gesprochen wird und auch viele Männer beginnen, sich für diese Themen zu interessieren. Doch wohl zu Recht weisen einige Feministinnen darauf hin, dass Männer in einem schwierigen Verhältnis zum Feminismus stehen. Männlichkeit ist ja zunächst erstmal der Grund, warum Feminismus überhaupt notwendig ist. Sie steht dem feministischen Anliegen also entgegen, doch liegt in ihr auch die Möglichkeit, den Feminismus überflüssig zu machen. Feministische Männer erscheinen insofern vielversprechend. Andererseits kann Emanzipation der Frau nicht bedeuten, auf die bessere Einsicht von Männern zu warten, sondern ist nur dann ernst, wenn die Frauen sich ohne Rücksicht auf Männer nehmen, was sie brauchen. Die Krux der Männlichkeit besteht eben darin, dass sie sich nicht von selbst auflöst, sondern im Gegenteil dazu tendiert, sich zu erhalten. Als Mann dagegen anzukämpfen ist schwieriger, als es vielleicht auf den ersten Blick scheint.

Männlichkeit gelingt es sogar, die feministischen Anforderungen mit denen sie konfrontiert wird, dazu zu benutzen sich selbst zu reproduzieren. Männer, die immer souverän und kontrolliert wirken müssen, haben längst verstanden, dass diese Anforderungen eine Gelegenheit, ihre Souveränität unter Beweis zu stellen, darstellen. Der moderne Mann ist feministisch. Die populäre Aussage “Echte Männer sind Feministen” klingt nach einem politischen Erfolg der Feministinnen, doch übersehen wird, dass Männlichkeit das eigentliche Problem ist, und echte Männlichkeit überhaupt nicht erstrebenswert ist. Allzu schnell verstehen sich Männer als Feministen und bemerken währenddessen oft gar nicht, was erstmal von Nöten wäre: Das Eingeständnis davon, dass große Teile des Feminismus auf eine Wirklichkeit reagieren, die Männer nicht teilen. Anstatt einer selbstvergewissernden Solidaritätserklärung mit dem Feminismus sollte also erstmal die Bereitschaft vorhanden sein, darüber von Frauen aufgeklärt zu werden. Und natürlich eine Selbstreflexion der eigenen Männlichkeit.

Debatten über Feminismus drehen sich oft nur über die Frauen, was sie können und nicht können, sollen und nicht sollen etc., doch über fragile männliche Subjektkonstitution wird gar nicht so oft gesprochen. Doch gerade Männer sollten sich kritisch mit dieser beschäftigen.

Wir wollen über die Möglichkeit des Feminismus von Männern diskutieren. Ist zu vor eine sowohl theoretische als auch praktische Kritik der Männlichkeit von Nöten, und wie könnte dies stattfinden?

Unser Jour fixe ist eine Veranstaltung, zu der wir uns alle zwei Wochen an einem Mittwoch treffen, um Themen zu diskutieren, die uns gerade beschäftigen. Jede_r von euch ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, mitzudiskutieren oder euch von den anderen zu eigenen Gedanken, Überlegungen, Thesen, Fragen … anregen zu lassen.

05.12.17 – Vortrag: Die Novemberrevolution 1918

Der erste Weltkrieg erschütterte Europa und die Welt. Vor dem Krieg galt die Sozialdemokratische Partei Deutschlands als die mächtigste sozialistische Partei der Welt. Durch ihre Bewilligung der Kriegskredite im August 1914 machte sie den Weg frei zum großen Krieg. Während an den Fronten die Massen starben, regte sich in den deutschen Städten zu Beginn nur wenig Widerstand. Als sich die Situation der Bevölkerung jedoch zunehmend verschlechterte und Karl Liebknecht im Juni 1916 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, begannen Massenstreiks, die bis zum Ende des Krieges nicht abließen. In Folge der Politisierung der Basis kam es zur Spaltung der SPD. In der USPD kristallisierte sich der sozialistische Widerstand gegen den Krieg, in den Gewerkschaften bildete sich das Netzwerk der „Revolutionären Obleute“ und organisierte Massenstreiks. Gemeinsam mit den meuternden Matrosen der Kieler Flotte setzte diese Koalition der Kriegsgegner ein Lauffeuer in Gang, das unter dem Namen „Novemberrevolution“ in die Geschichte eingegangen ist.

Der Historiker Ralf Hoffrogge wird Ursachen und Verlauf der Ereignisse rekapitulieren.

Dienstag 05.12.2017, 18 Uhr
Ort: Verfügungsgebäude, Wilhelmstrasse 19 72074 Tübingen, Hörsaal 0.02

22.11.17 – Jour fixe: Plurale Ökonomik und/oder das Elend der WiWi

Es ist eine weit verbreitete common sense Vorstellung, dass man Dinge oder Sachverhalte nur adäquat darstellen kann, wenn man verschiedene Perspektiven einnimmt oder unterschiedliche Ansätze wählt.
Dem gegenüber scheinen Positionen, die nur eine Herangehensweise wählen, das Etikett Dogma zu verdienen. Die Frage die sich stellt, ist also: Woraus beziehen beide Postitionen ihre Legitimation, bzw. wie ist zu entscheiden, auf welche Seite des Konfliktes man sich stellt.

Auch in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wird von allen Seiten „Methodenmix“, „Methodentriangulation“ uvm. eingefordert. In den Wirtschaftswissenschaften gibt es seit einigen Jahren die Initiative „Netzwerk Plurale Ökonomik“, die eine stärkere Pluralität in Forschung und Lehre der Wirtschaftswissenschaften einfordern und damit quer zum Mainstream der Wirtschaftswissenschaften stehen.

Am Beispiel des „Netzwerks Plurale Ökonomik“ wird im Vortrag versucht darzustellen, dass die Frage „Dogma oder Pluralismus“ sowohl in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften selbst, als auch in deren Kritik die falsche Frage ist. Mit dieser Einsicht wird versucht werden, die auf der falschen Frage beruhenden falschen Antworten zu kritisieren und damit dieses „Entweder Oder“ an sich selbst zu kritisieren.

Unser Jour fixe ist eine Veranstaltung, zu der wir uns alle zwei Wochen an einem Mittwoch treffen, um Themen zu diskutieren, die uns gerade beschäftigen. Jede_r von euch ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, mitzudiskutieren oder euch von den anderen zu eigenen Gedanken, Überlegungen, Thesen, Fragen … anregen zu lassen.

25.10.17 – Jour fixe: Wenn man über Rassismus redet

„Rassismus“ bezeichnet in der öffentlichen Rede heute nur noch selten eine Diskriminierung oder Unterdrückung unter Verweis auf biologische Unterschiede zwischen Menschen. Ähnlich wie „Nazi“ oder „faschistisch“ hat sich dieser Begriff so ausgeweitet, dass heute viel mehr Handlungen, Vorstellungen, Gedanken und gesellschaftliche Verhältnisse damit bezeichnet werden als die meiste Zeit des 20. Jahrhunderts hindurch. In der Regel ersetzt er heute einfach die Bezeichnung „Fremdenfeindlichkeit“.

Das ist keine neue Entwicklung. In wissenschaftlichen Debatten tauchen Begriffe wie „kultureller Rassismus“ oder „Rassismus ohne Rassen“ schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts auf. Allerdings fällt diese Veränderung an den Diskussionen über die AfD, Pegida, Trump, Rechtspopulismus usw. sehr stark auf. Wie es zu dieser Entwicklung kam, was davon zu halten ist, ob und welche Schwierigkeiten mit so einer Verwendung des Begriffs verbunden sind oder ob sie eine folgerichtige Anpassung an veränderte gesellschaftliche Bedingungen darstellt – das alles wollen wir zusammen beim nächsten Jour fixe der Kritischen Uni diskutieren.

###########################

Unser Jour fixe ist eine Veranstaltung, zu der wir uns alle zwei Wochen an einem Mittwoch treffen, um Themen zu diskutieren, die uns gerade beschäftigen. Jede_r von euch ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, mitzudiskutieren oder euch von den anderen zu eigenen Gedanken, Überlegungen, Thesen, Fragen … anregen zu lassen.

25.10.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6

08.10.17, Vortrag: Der Antikapitalismus der Nazis

Der Antikapitalismus der Nazis
Reaktionär, antisemitisch – und manchen näher, als sie meinen

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 8. November 2017, Tübingen
Hegelbau, Raum 101, Wilhelmstr.36

Eine Veranstaltung des Jungen Forums der DIG und der Kritischen Uni Tübingen

Nazis haben was gegen den Kapitalismus. Anders als viele glauben wollen, war das schon immer mehr als Demagogie, sondern durchaus ernst gemeint. Zentral für ihren Antikapitalismus sind der positive Bezug auf „Volk“, „Nation“ und „Arbeit“, der eingebildete Gegensatz zwischen einem guten „schaffenden“ und einem schlechten „raffenden“ Kapital sowie die Affirmation des Kampfes „der ehrlich Arbeitenden gegen die Raffgierigen“. Eine national-sozialistische deutsche Arbeiter-Partei hatte dieses Programm schon einmal recht weitgehend verwirklicht: „Arbeit macht frei“ stand nicht zufällig über dem Tor von Auschwitz.

Heute verquicken nicht nur erklärte Nazis, sondern auch präfaschistische „Rechtspopulisten“ wieder gerne die Begriffe „national“ und „sozial“. Sie erhoffen sich dafür nicht ohne Grund Sympathien aus großen Teilen der Bevölkerung, die sich zwar soziale Verbesserungen wünschen, „aber nur für Deutsche“. Die verbreitete unreflektierte Wut auf „gierige Politiker“ und „Lügenpresse“ erweist sich zudem als fruchtbarer Nährboden für Nazi-Propaganda.

Leider begegnet einem ein oberflächlicher und personalisierender Antikapitalismus auch in der „Mitte der Gesellschaft“ und in der politischen Linken. Das macht den Antikapitalismus der Nazis auch heute wieder anschlussfähig und gefährlich. Die Verbreitung einer reflektierten Kapitalismuskritik, die sich grundlegend davon unterscheidet, ist gerade in Krisenzeiten dringend geboten. Denn man kann Nazis umso besser bekämpfen, je weniger Gemeinsamkeiten man mit ihnen hat.

Lothar Galow-Bergemann war Personalrat in zwei Großkliniken und schreibt u.a. in Jungle World, konkret und auf www.emafrie.de

Programm für das WS 17/18

Lesekreis: Dialektik der Aufklärung

Dienstags ab 18:00 im Theologicum: Seminarraum 1

Auch in diesem Semester bietet die Kritische Uni Tübingen mehrere Veranstaltungen an. Unter anderem diesen Lesekreis zu einem der wichtigsten und einflussreichsten Werke der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule: Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Wir wollen uns zuerst einen Überblick über die Grundlagen der Kritischen Theorie verschaffen, um anschließend direkt in die Lektüre der Dialektik der Aufklärung einzutauchen. Alle sind willkommen, es kann zu jedem Zeitpunkt dazu gestoßen werden.

Lesekreis: Einführung in die marxistische Rechtskritik

Donnerstags ab 18:00 in der Alten Physik, Hörsaal 16

Die Linke hat in ihrer Geschichte, wie in ihrer Gegenwart, häufig die Tendenz in ihren Bestrebungen Institutionen wie Staat, Recht oder Politik für ihre Zwecke unreflektiert in Anschlag zu bringen. Darin kann man einen Grund sehen, wieso sie notwendig daran scheitert, ihrer Ziele zu verwirklichen.
Von vielen Seiten wird am marx’schen Werk „bemängelt“, dass der eigentliche Plan, im Kapital eine eigene Staatskritik zu formulieren, nicht verwirklicht sei und deshalb die Aufforderung formuliert wird, sie noch zu leisten. Dabei weist der Untertitel des Kapitals „Kritik der politischen Ökonomie“ auf die Einheit von Kapital- und Staatskritik hin. Eugen Paschukanis Versuch dies an den juristischen Grundbegriffen darzustellen, ist neben einigen Versuchen in den 20er und 30er Jahren aus dem Marx-Engels Institut in Moskau ein früher Versuch einer nicht staatssozialistisch instrumentalisierten Kritik der Gesellschaft in marx’schen Begriffen.
Deshalb wollen wir uns im Lesekreis einen Einblick in die Thematik der marxistischen Rechtskritik verschaffen und dazu die Lektüre Paschukanis‘ ersten Werks heranziehen. Wir freuen uns auf einen Austausch mit allen.

16.08.17, Jour Fix: „Insurrektionalismus – Die Praxis unter den Theorien“

Als im Juli diesen Jahres im Hamburger Schanzenviertel Autos brannten und Geschäfte geplündert wurden, war der mediale Angstschrei groß. Die Autonomen kommen und sie machen unsere Stadt kaputt. Noch größer allerdings, war die Welle an Distanzierungen und Erklärungen, die darauf folgte. Natürlich wollte niemand etwas mit den Vorfällen zu tun haben und Aktivist*Innen aller Form und Farbe begannen zu erklären, wer dafür verantwortlich sei. Am Ende des medialen Diskurses kam man zu der Einigung, dass die schuldigen bestimmt nichts mit den Protesten gegen den G20 Gipfel zu tun hätten, dass es unterforderte jugendliche, kleinkriminelle und krawallgeile Opportunisten gewesen sein müssen, die die deutsche Medienlandschaft so aggressiv und nachhaltig betreten hatten.
Doch es gibt eine kleine Population von Aktivist*Innen, die derartige Straßenschlachten und Zerstörungsmärsche keineswegs als entgleisung betrachten. Sie verstehen sich nicht als links, lehnen Gewerkschaften, Syndikate und andere Massenorganisationen ab, verschicken stattdessen Briefbomben an EU-Kommissare und stehen für die Aufhebung der Dichotomie von Kommunismus und Individualismus.
Der Vortrag soll eine kurze Einführung geben in die Theorie und Praxis des Insurrektionalismus, oder aufständischen Anarchismus. Dabei werden wir knapp die historischen und aktuellen verwandschaften mit anderen anarchistischen Strömungen, von Ravachol über die Autonomen bis CrimethInc, beleuchten um uns den Grundlagen des Insurrektionalismus zu nähern und dessen Entwicklung zu verstehen.

Der Jour Fixe der Kritischen Uni Tübingen ist eine offene Diskussionsplattform, in der regelmäßig Themen vorgestellt und anschließend diskutiert werden.

Dazu ist jede_r herzlich eingeladen!

19.07.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6

19.07.2017, Jour fixe: Legitime und illegitime Kritik

In diesem Vortrag sollen einige Überlegungen zur Legitimität von Argumenten vorgestellt werden. Dabei geht es einerseits darum, welche Rechtfertigungen legitimerweise verwendet werden können sowie andererseits um Delegitimierungsstrategien, also Versuche, die Argumente der anderen Seite als illegitim darzustellen. Die präsentierten Gedanken wurden aus dem Fallbeispiel eines Konflikts über den geplanten Neubau einer Anschlussunterbringung für Geflüchtete entwickelt.

Der Jour Fixe der Kritischen Uni Tübingen ist eine offene Diskussionsplattform, in der regelmäßig Themen vorgestellt und anschließend diskutiert werden.

Dazu ist jede_r herzlich eingeladen!

19.07.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6

05.07.17: Jour fixe – Posadismus

Der Vortrag wird eine Einführung in das Werk des trotzkistischen Theoretikers J. Posadas (1912-1981) mit besonderem Schwerpunkt auf seine Gedanken über kommunistische Außerirdische geben (mit Bildern!) und den aktuellen Stand der posadistischen Theorie darstellen (ebenfalls mit Bildern!). Daran anschließend werden Probleme der heutigen Linken mit sozialistischer Strategie erörtert und eine Kritik am Begriff des Kommunismus formuliert.

Der Jour Fixe der Kritischen Uni Tübingen ist eine offene Diskussionsplattform, in der regelmäßig Themen vorgestellt und anschließend diskutiert werden.

Dazu ist jede_r herzlich eingeladen!

05.07.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6

21.06.17: Jour fixe – Inklusion

Inklusion – Kooperation von Reformkapitalismus und linker Pädagogik?

Inklusion und Diversity sind vielgebrauchte Begriffe in der (linken) Pädagogik. Während es oft (wie in der aktuellen Ausgabe der GEW Zeitschrift E&W) nur um praktische Fragen der Umsetzung geht und Inklusionskritik schon fast einem Verstoß gegen die Menschlichkeit gleichkommt, soll es im Jour Fixe der KUT um eine Problematisierung des Begriffs Inklusion gehen. Anhand der These „Inklusion ermöglich unerbittliche Selektion“ wird die Nähe von inklusiver Pädagogik und neoliberalem (Schul-)Markt deutlich. Nach einem kurzen Input folgt die Diskussion.

Der Jour Fixe der Kritischen Uni Tübingen versteht sich als offene Diskussionsplattform, in der regelmäßig Themen kurz vorgestellt und anschließend diskutiert werden.

Herzliche Einladung!
21.06.17 – 18 Uhr – Infoladen, Schellingstraße 6